Wie die Henker – Verkehr in Israel

Schönes Titelbild, stimmt’s? Ich weiß, danke! Aber bloß keine falschen Hoffnungen! Das Foto ist dazu da, um Hoffnungen zu wecken, die ich dann mit fortschreitendem Text zerstören werde. Denn genau so (!) ist der Verkehr hier zu Lande nicht: ruhig und friedvoll.

Wir sind viel im Land unterwegs. Dienstlich wie privat machen wir uns regelmäßig nach Sderot (im Südwesten des Landes), Herzlia oder Tel Aviv auf die Socken. „Schön“, sollte man denken, „so sieht man wenigstens was vom Land, in dem man arbeitet“. „Shit“, ist allerdings sehr viel häufiger die Reaktion, wenn solche Termine anstehen. Denn zwischen Jerusalem und Sderot liegen leider knappe 120 km. Kein Problem – in Deutschland. In Israel muss man dafür mindestens zwei Stunden einplanen – und hoffen, dass die Nerven nach der Fahrt nicht völlig blank liegen. Wie kommt das?

Eins vorweg: Ich bin wirklich kein aggressiver Fahrer. Fast mein halbes Leben fahre ich Motorrad und neige daher per se zum passiven Fahren. Und doch: In Israel platzt mir regelmäßig der Kragen.

Der Alltag auf Israels Straßen

Universelle Regeln vernunftgeleiteten Handelns scheinen hier ausgesetzt. Die Benutzung der gut ausgebauten Schnellstraßen wird zum Drahtseilakt, den es so schnell wie möglich hinter sich zu bringen gilt. Vor allem zur Rushhour. Das geht soweit, dass man seinen Tagesablauf um diese Phasen gesteigerten Verkehrsaufkommens herum plant, da man sonst signifikante Teile seines Lebens im Stau auf der Autobahn 1 zwischen Tel Aviv und Jerusalem verbringt. Wenn dann Termine zu solchen Zeiten anstehen… tja, dann öh… Sche***e.

Rechtsfahrgebot? Nur links überholen? Seitenstreifen für Einsatzfahrzeuge und nur bei Pannen benutzen? Warnblinker nur in Notfällen? Blinken überhaupt? Kein Handy am Steuer? Spur halten? Was soll ich sagen… komisch wäre eine Autofahrt, in der einer der genannten Punkte nicht mehrfach vorkommt.

Handynutzung, das Überholen auf der linken Seite oder das Fahren vor allem von Zweirädern zwischen (!) den Spuren führen dazu, dass die Aufmerksamkeit des Fahrers von dermaßen vielen Dinge eingefordert wird, dass das normale Spurhalten oder ganz schlicht die Aufmerksamkeit beim Fahren etwas hintenan stehen. Das führt zu dem Eindruck, dass der Israeli ganz allgemein ein ziemlich schlechter Autofahrer ist (Ausnahmen bestätigen die Regel: Einige unserer israelischen Freunde sind auch ganz objektiv sau schlechte Autofahrer). Wenn man also nicht permanent auf der Hut ist und von vorneherein auf abenteuerliche Manöver der Einheimischen gefasst ist, bekommt man ganz schnell Probleme.

Die Taktik

Nach gut einem Jahr habe ich meinen Weg gefunden, damit umzugehen. Ich habe mich angepasst. Die Hupe ist meine Waffe, und das Überholen auf der rechten Seite mein Schild. Humor – mein Lebenselixier auf den Straßen Israels. Denn ganz ehrlich: auf der Autobahn mal eben anhalten, um an den Seitenstreifen zu pinkeln oder mit 120 Sachen ebenjenen Seitenstreifen entlang zu brettern, nur um zwei Minuten später dort seine saubreite 1200er GS mit Seitenkoffern zu parken, um die WhatsApp-Nachrichten zu checken, das hat schon was Komisches.

Irgendwie zumindest.

Welcome to Israel.

Aus der Feder von:   Joachim

2 Gedanken zu “Wie die Henker – Verkehr in Israel

  1. Schön geschrieben, lieber Joey.
    Ups, da ist das Foto zu Beginn des Blogs tatsächlich eine „Täuschung“.
    Wir hoffen sehr, dass Ihr diese Fahrgewohneiten nur in Israel anwendet 🚙🙃
    Herzliche Grüße aus Uvanå
    Die DETTOs

    Gefällt 1 Person

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