Durchschnaufen

24Auszeit mit Aussicht

Jerusalem kann ganz schön trubelig sein. Nicht selten sehnt sich mein altes Landei-Herz nach ein paar Augenblicken Ruhe und Grün. Dann schnüre ich die Laufschuhe und mache mich auf zu meiner Lieblingsstrecke in Jerusalem, die mit dem Duft von Bäumen und dem wohl atemberaubendsten Blick über die Stadt verführt. Und das Beste daran: Auf diesem Pfad begegnet ihr nur wenigen anderen Seelen. Probiert es aus – ich habe unten eine verkürzte Strecke für einen Spaziergang beschrieben.

Vorbei an blühenden Rosmarin-Büschen geht es im Schatten der Pinien mit jedem Schritt bergauf. Ein strahlendes Weiß der Häuser fällt auf der Linken in den Blick, welches das Stadtbild, wie hier in Abu Tor, so sehr prägt. Verantwortlich dafür ist der weiße Kalkstein Meleke, aus dem fast jedes Haus seit dem 10. Jahrhundert erbaut wird. Nur einzelne schwarze Wassertanks auf den Dächern verpassen dem Bild einen Farbklecks.

Goldenes Schimmern

Jeder Schritt wird mit einer neuen Entdeckung belohnt.

Gelangt man noch ein paar Meter höher, fällt der Staub in den Blick, den die Autos aufwirbeln, wenn sie über die Straßen im Tal fahren. Obwohl mir klar ist, dass ich mich in einem Wüstenstaat befinde, will das noch immer nicht so recht in mein Bild von der wohl heiligsten Stadt der Welt passen.

Jeder weitere Schritt himmelwärts in der groß angelegten Linkskurve enthüllt immer mehr Meter der Altstadtmauer und einen Teil der goldenen Kuppel des Felsendoms, die im Sonnenlicht noch prachtvoller aussieht.

Auf der Spitze des Hügels ist erstmal eine Verschnaufpause angesagt (beim Joggen natürlich nicht) – und mit was für einem Blick! Zu den Füßen erstreckt sich die ganze Pracht dieser wundervollen, umkämpften Stadt. Die Evergreens der Altstadt mit al-Aqsa-Moschee, Minaretten und Kirchtürmen, in der Ferne strecken Hochhäuser und Baukräne empor, im Osten winken Bäume eines großen Parks. Bei Sonnenuntergang ist der Ruf des Muezzins, der im Tal ein grün leuchtendes Minarett nach dem nächsten anzustecken scheint, ein ganz besonderes Highlight.

Die andere Seite Jerusalems

Jahrtausende alter Friedhof auf dem Ölberg

Zwei Dinge überraschen mich hier immer wieder: Wie viele Freiflächen es gibt und wie grün die Stadt wirkt. Heiter weiter führt der Weg auf die Richard Ve-Rhoda Goldman Promenade, ein Weg auf der Rückseite des UN-Hauptquartiers, der sich fast ein bisschen nach Wald anfühlt. Wenn man Glück hat, sieht und hört man zwischen den Bäumen einen jungen Mann, der schreiend Kraftsportübungen macht. Wenn nicht, ergötzt man sich an dem fabelhaften Blick auf den Ölberg mit seinem uralten Friedhof, den goldenen Türmen der Maria Magdalenen- und spitzen Christi Himmelfahrt-Kirche.

Genau so interessant ist es, diese bekannten Attraktionen hinter sich zu lassen. Der Weg gibt die Sicht frei auf die arabisch geprägten Viertel Jabel Mukaber und Abu Dis. Dahinter liegt das Westjordanland, das man nur aus der Tagesschau kennt. Eine Sperranlage trennt die Gebiete, in der Ferne befinden sich – nur etwa 35 km Luftlinie entfernt – das Tote Meer und Jordanien. Auch hier stehen Häuser in hellen Farben, wenn auch deutlich weniger, es gibt viel freie Fläche, Hügel und weniger Infrastruktur. Minarette fallen ins Auge, aber den Unterschied zu dem, was man vor wenigen Minuten gesehen hat, erkennt man im ersten Augenblick. Auch das ist eben Jerusalem.

Am Ende der Strecke taucht ein Toilettenhäuschen auf, von dessen Dach es einen wunderbaren Fotopunkt gibt. Von hier geht es für mich zurück nach Hause. Wer genug hat vom Laufen kann auch den Bus zurück in die Stadt nehmen (siehe Beschreibung).

Blick auf die Altstadt Jerusalems

Wegbeschreibung Spaziergang

Länge: ca. 3 km (pro Weg)
Startpunkt: Yes Planet, Naomi Street

Strecke:
– Das Kino Yes Planet bergab passieren, den erstmöglichen Weg rechts einschlagen (Gabriel Sherover Promenade)
– Für ca. 1,5 km dem Weg folgen bis ein voll verglastes Gebäude auftaucht (Trotner Park)
– Die Treppe neben dem Gebäude hoch nehmen und links den Parkplatz überqueren
– Am Kreisel geradeaus halten und in den Park Richard Ve-Rhoda Goldman Promenade leicht links einbiegen (Schild folgen)
– Dem Weg ca. 500 m folgen bis Toiletten auftauchen.
– Oberhalb der Toiletten gibt es einen höher gelegenen Aussichtspunkt.

Rückweg:
zu Fuß oder mit dem Bus ins Zentrum (Abfahrt ab dem Parkplatz, den ihr überquert habt – Daniel Yanovski St)

Aus der Feder von:   Katharina

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