Plitschplatsch

Regenzeit in Jerusalem – unaufregende Aufregung

Obwohl Regen in Deutschland und Israel nichts anderes bedeutet als Wasser, das tropfenförmig vom Himmel fällt, ist ein Regentag in Jerusalem ganz anders.

Straßen, die sonst von Menschen und Verkehrslärm erfüllt sind, sind plötzlich leer gefegt. Nur Sicherheitskräfte stehen mit großen Regenschirmen vor öffentlichen Einrichtungen, Supermärkten oder Shopping-Malls. Auch viele Demonstranten bleiben bei Schlechtwetter lieber zuhause. Wessen Schicksal einen doch nach draußen geführt hat, sieht so aus, als würde er eine kleine persönliche Katastrophe erleben. Iiiichz!

Auch wenn es hier wie aus Kübeln gießen kann: Der tagelange Regen, begleitet von dem grauen Dunstschleier, der sich ab Herbst über Deutschlands Städte und Gemüter legt, ist hier fremd. Vielleicht ist genau deshalb ein Regentag so ein großer Aufreger für eine Stadt, deren Bewohner normalerweise viel mehr an der frischen Luft verbringen als die Deutschen.

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Fast Dreiviertel des Regens fällt zwischen November und März – Dezember und Januar sind mit durchschnittlichen 13 Regentagen (und rund 14 Grad) Jerusalems nasseste Monate. Das ist vergleichsweise viel – die Umgebung um das Tote Meer hat im Maximum monatlich 7 Regentage. In diesen trockenen Gegenden verwandeln sich ein paar Tropfen vom Himmel schnell in eine Flut, die Wanderer in den Wadis (trockene Flussbetten) überrascht.

Trotz der angebrochenen Regensaison schmücken Ballerinas und Pumps noch immer viele Schaufenster – auch wenn Mann und Frau hier unbedingt Bluntstones trägt. Dazu kommt eine extra Schicht Kleidung, sicher ist sicher.

Auch wenn mein Regen geplagtes, deutsches Ich rufen will, „Spannt doch einfach einen Regenschirm auf und zieht eine Jacke an. Nass werden tut nicht weh!“, fällt auch meine Stimmung bei Regen ins Bodenlose. Immerhin bescheren uns die miesen dicken Wolken einen Tag ohne warmes Wasser (Stichwort Solarenergie).
Und das ist wirklich einen Aufreger wert.

Aus der Feder von:   Katharina

Ein Gedanke zu “Plitschplatsch

  1. Eine schöne, erheiternd geschriebene Schilderung der Regenzeit in Jerusalem :)! Danke dafür! Bluntstones habe ich auch aus Israel mit nach Deutschland gebracht, sie sind auch im deutschen Regen- und Matschwinter wirklich Gold wert!

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